Arizona Trail Bericht – Teil 4: Endlich am Colorado Plateau und 1.000 Kilometermarke

von Weg als Ziel

Die letzten Etappen waren erneut abwechslungsreich: traumhafte Ausblicke, wegbedingte Herausforderungen und überraschender Schneefall. Der Arizona Trail (AZT) bleibt ein echtes Abenteuer, das mich mental und körperlich fordert. In diesem Bericht nehme ich dich mit auf die Tage 20 bis 26 meiner Wanderung. Viel Spaß beim Lesen und hoffentlich Inspiration für deine eigene Tour!

Teil 3 meines Reiseberichts findest du hier. 

Hier findest du übrigens die offizielle Karte und das Höhenprofil des AZT.

Hier findest du meine 5,1 kg Packliste und meine Ausrüstung die ich auf meiner Tour am Arizona Trail (AZT) dabei hatte. Vielleicht sind auch für dich ein paar interessante Gegenstände fürs leichte Packen auf deiner nächsten Tour enthalten.

Tag 20 – Erholung und kleine Abenteuer in Pine (7 km / 770 km ges.)

Nero! Heute nehme ich es gemütlich und spaziere nur wenige Kilometer nach Pine. Am Highway strecke ich den Daumen raus – und tatsächlich hält ein Auto. Es ist sogar ein Tesla. Normalerweise nehmen Teslafahrer keine Wanderer mit. Das ist also eine Überraschung und Premiere für mich!

Kurz darauf bin ich in Pine. Um 7 Uhr gibt’s ein Frühstück, danach will ich schnell zur Wäscherei. Doch die öffnet erst um 12 Uhr, nicht wie gedacht um 8. Also erstmal durchatmen und die Zeit rumbringen.

Ich ziehe meinen Resupply vor und kaufe Essen für die nächsten fast 200 Kilometer. Ich habe keine große Lust, viel zu schleppen, also packe ich mal optimistisch nur für vier Tage Nachschub ein. Bisher lief die Ernährung gut, ich bin noch wohlgenährt. Ein paar Tage Defizit machen mir also nichts aus.

Dann die Überraschung: Der Laundromat öffnet plötzlich doch schon um 10:30. Endlich wieder Wäsche waschen, nach 400 Kilometern. In einem versteckten Winkel drehe ich mich von den Überwachungskameras weg, schlüpfe aus meinen Klamotten und in die Ersatzwäsche bestehend aus Windjacke und Windhose.

Kurz darauf trudeln bekannte Gesichter in Pine ein: Snickers, Sad Spot und Cows. Wir sind alle ungefähr im gleichen Tempo in derselben Richtung unterwegs, deshalb trifft man sich auf dem Trail kaum. Umso schöner wenn man in den Ortschaften ein paar Geschichten austauschen kann.

Mittags gibt’s den ersten Veggie-Burger dieser Reise und kurz darauf holt mich ein Trail Angel ab. Hier werde ich heute unterkommen – endlich eine Dusche und ein richtiges Bett. Morgen geht’s dann hoch zum Colorado Plateau und damit auf vermeintlich leichtere Wege als in den letzten Wochen.

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Tipp: Der Arizona Trail ist ein staubiger und sandiger Trail. Die Tidy Gaiters Trail Gamaschen sind speziell auf Weitwanderungen ein unverzichtbarer Ausrüstungsgegenstand in meiner Packliste. Diese Gamaschen hindern Sand und anderen Schmutz davor, in den Schuh einzudrinderungen. Das macht das Wandern angenehmer.

Buchempfehlungen für deine Arizona Trail Planung 🥾🌵
Zur Vorbereitung auf den Arizona Trail oder Neugierige gibt es unterschiedliche Lektüre:

Tag 21 – Aufbruch zum Mogollon Rim (50 km / 820 km ges.)

Endlich am Mogollon Rim! Diese meilenlange, scharfe Abbruchkante habe ich schon seit Tagen am Horizont gesehen. Nach einem kurzen, steilen Anstieg bin ich endlich da. Oben angekommen befinde ich mich jetzt auf dem Colorado Plateau – jener Ebene, in die sich weiter nördlich der Colorado River hineingefressen hat und so den Grand Canyon formte.

Für mich bedeutet das: Der südliche und mittlere Teil des Trails liegen hinter mir. Der Arizona Trail wird nun im Norden deutlich flacher und einfacher, die Temperaturen sollten tagsüber angenehm und nachts kühl bis kalt sein. So zumindest die Theorie.

Staubige, harte, sandige Camps weichen weichem Waldboden, bedeckt mit Kiefernnadeln. Und ich sehe heute ungewöhnlich viele Wanderer – alte Bekannte und neue Gesichter. Die Wege sind gut zu gehen.

Ich mache heute knapp 50 Kilometer, eigentlich mehr als geplant, doch die Wasserlogistik zwingt mich dazu. Vor mir liegt wieder eine lange Strecke ohne brauchbares Wasser – 32 Kilometer Trockenstrecke. Braune, verschmutzte Cow Ponds mal ausgenommen.

Aber ich kenne das Spiel mittlerweile, kein Problem.

🌄 Mogollon Rim – ein geologisches Highlight

  • Der Mogollon Rim ist eine gewaltige Felsstufe, die sich über etwa 320 Kilometer durch Zentral-Arizona zieht.
  • Er bildet die südliche Grenze des Colorado-Plateaus und erhebt sich teilweise über 600 Meter über das darunterliegende Land.
  • Diese Geländekante beeinflusst das Wetter erheblich – mit deutlich kühleren Temperaturen und höheren Niederschlagsmengen oben am Rim.

🥾 Der Arizona Trail kreuzt den Mogollon Rim auf einer Länge von etwa 50–60 Kilometern, im Coconino National Forest.

🌲Der Rim markiert eine Übergangszone zwischen dem Wüstenklima Südarizonas und dem alpineren Hochland des Nordens.

Tag 22 – Wasserknappheit und Ranger-Hilfe (49 km / 869 km ges.)

Die Landschaft ändert sich heute kaum: Kiefernwälder, weite Ebenen, dazwischen gelbes, vertrocknetes Gras. Alle paar Kilometer taucht ein „Cow Pond“ auf – oder das, was davon übrig ist. Der schneearme Winter hat tiefe, ausgetrocknete Erdlöcher hinterlassen, oft nur braune Brühe.

Deshalb mache ich heute einen Abstecher zu einer Ranger Station. Ich folge einem kleinen Highway und fülle dort meine Wasservorräte für die nächsten 32 Kilometer auf – so weit ist die nächste Wasserstelle mal wieder entfernt.

Die Ranger verkaufen an der Station Eis und Limonaden für je einen Dollar – ein wahres Schnäppchen und Highlight hier draußen. Ich gönne mir zwei Dosen Cola und zwei Eistüten. Während ich genieße, lade ich mein Smartphone.

Das viele Wasser und der Proviant für drei Tage machen sich heute schwer bemerkbar. Mein Körper fühlt sich steif an, vermutlich hätte ich die letzten Wochen etwas mehr regenerieren sollen. Langsam macht sich mein Hüftbeuger bemerkbar.

Trotzdem muss ich heute noch pushen, ein Trockenlager ist diesmal keine Option. Nach 49 Tageskilometern erreiche ich einen nutzbaren Cow Pond und lasse es für heute bleiben. Morgen will ich es ruhiger angehen.

Flagstaff, die größte Stadt am Trail, rückt näher. Dort brauche ich dringend neue Schuhe – meine Altra Olympus* haben mittlerweile fast 1000 Kilometer auf dem Buckel und sind komplett durchgelatscht. Neue Schuhe (Topo Athletic*) werden das Wandern hoffentlich wieder angenehmer machen.

Wasserversorgung:

Einer der größten Herausforderungen auf dem Arizona Trail ist das Wassermanagement. Viele Abschnitte des Trails sind extrem trocken , und Wanderer müssen sich auf Wasser-Caches und Quellen verlassen, die manchmal sehr weit auseinanderliegen. In manchen Abschnitten gibt es bis zu 40 Kilometer Strecken ohne Wasserquelle. Dies ist besonders kritisch in den heißen Monaten.

Die Qualität vieler Wasserquellen am AZT ist unterdurchschnittlich bis schlecht . Wichtig sind ein zuverlässiger Wasserfilter und/oder eine chemische Methode zur Wasserentkeimung.

Leichte und portable Wasserfilter die sich für den AZT eignen sind z.B.:

Tabletten als Ergänzung und/oder Backup:

Tag 23 – Der längste Tag und Vorfreude auf Flagstaff (52 km / 921 km ges.)

Eigentlich wollte ich heute kürzer treten, doch es ist mein längster Tag bisher. Ich habe umgeplant: In Flagstaff will ich einen Zero-Day einlegen, alles Weitere in Ruhe organisieren. Wenige Kilometer vor der Stadt hätte es wenig Sinn gemacht, mein Lager aufzuschlagen.

Die gewonnene Zeit möchte ich in den Kauf neuer Schuhe (Topo Athletic*), essen, Proviant kaufen und eine Dusche in Flagstaff verwenden.

Die Meilen fliegen heute nur so dahin. Ich treffe wieder mehr Wanderer, was der Stimmung gut tut. Das Wetter ist fast perfekt – etwas kühl und windig, aber ideal zum Wandern.

Langsam macht sich eine Endstimmung breit. Der Trail nähert sich seinem letzten Viertel. Einerseits freue ich mich auf Zuhause, andererseits genieße ich diese Zeit in der Natur nach wie vor sehr. Zu schade, dass man im normalen Alltag kaum Raum für solche Erlebnisse bekommt. Meist muss man betteln und auf Zustimmung hoffen, um solche Erlebnisse und Erfahrungen machen zu dürfen.

Dabei machen sie das Leben reicher und öffnen neue Perspektiven. Leider ist das in unserer Gesellschaft oft nicht erwünscht.

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Tipp: Selbst am Arizona Trail kann es regnen und schneien. Ultraleichte Rucksack Liner gibt es in zwei Größen. Sie halten deine Ausrüstung trocken und schützen empfindliche Gegenstände auf deinen Wanderungen zuverlässig vor Regen oder dem Staub und Schmutz der Wüste.

Tag 24 – Kalter Wind auf der Mesa und Taco Bell in Flagstaff (37 km / 958 km ges.)

Banal, aber ich freue mich wie ein Kind: Der Arizona Trail führt in Flagstaff direkt an einer Taco Bell Filiale vorbei.

Vor der Stadt stehen viele Hiker vor der Wahl: Entweder man macht einen Bogen um Flagstaff und hitchhikt nördlich hinein oder man folgt der „Urban Route“ direkt durch die Stadt.

Ich glaube, die meisten Hiker wählen die Urban Route. Die Annehmlichkeiten der Stadt sind einfach verlockend: Essen satt, günstige Motels, Gear Stores, uvm.

Mich zieht es jedenfalls sofort in die Taco Bell Filiale, mein Magen knurrt nach vier Tagen.

Bevor ich Flagstaff erreiche überquere ich aber noch die Anderson Mesa – eine flache, fast baumlose Ebene mit tollem Blick auf die San Francisco Peaks. Der Wind bläst hier allerdings seit der letzten Nacht heftig, es ist kalt, kaum über 10 Grad.

Kurz vor Flagstaff geht’s durch den schönen Sandy Canyon.

Angekommen bei Taco Bells verdrücke ich zwei Burritos und buche mir eine Unterkunft für zwei Nächte. Morgen ist ein entspannter Zero-Day angesagt.

Kaum im Motel, fallen sogar ein paar Schneeflocken. Das Timing passt – nachts soll es unter Null gehen. Ein warmes Zimmer ist da etwas angenehmer als das Zelt.

Den Rest des Tages verbringe ich mit Wäsche waschen, Einkaufen und Ausruhen. Morgen geht’s in die Innenstadt, Schuhe kaufen (Topo Athletic*) und einfach einen entspannten Tag genießen, bevor es übermorgen weiter Richtung Grand Canyon geht.

Flagstaff Urban Route vs. Standard Route 

Rund um Flagstaff bietet der Arizona Trail zwei Routenvarianten: die Standardroute und die Flagstaff Urban Route. Die Standardroute führt östlich an Flagstaff vorbei und verläuft durch abgelegene Waldgebiete am Fuße des San Francisco Peaks – landschaftlich reizvoll und ruhiger. Die Urban Route hingegen leitet Wandernde direkt durch Flagstaff und ermöglicht so eine leichtere Versorgung, Unterkünfte und kulturelle Eindrücke. Beide Varianten sind offiziell und etwa gleich lang, unterscheiden sich aber stark in ihrem Charakter: Natur versus urbaner Komfort.

Tag 25 & 26 – Kilometer 1.000 und Schnee in den Bergen (Zero & 46 km / 1.004 km ges.)

Nach einem eher langweiligen Zero-Day in Flagstaff steht sie heute da: die magische 1.000-Kilometer-Marke. Ich bin schon seit Tagen unterwegs, aber die 1 vor drei Nullen fühlt sich besonders an.

Der Ruhetag hat gutgetan, meine Oberschenkel sind entspannter. Die neuen Schuhe zahlen sich aus – endlich fühlt es sich wieder an als hätte ich Schuhe an, statt Barfuß zu gehen.

Früh morgens verlasse ich Flagstaff, gönne mir noch einen Kaffee bei Starbucks, bevor ich in das städtische Naherholungsgebiet eintauche. Es sind schon einige Läufer unterwegs – Flagstaff ist ein Traillauf-Hotspot. Die berühmten Coconino Cowboys rund um Jim Walmsley kommen von hier.

Es ist kalt, bald beginnt es sogar leicht zu schneien und ich wandere sogar in meiner Isojacke. Der Himmel grummelt, Gewitter und dunkle Wolken ziehen vorbei – ich bin froh, vom Ärgsten verschont zu bleiben.

Am Rande der San Francisco Peaks, auf über 2.700 Metern Höhe liegen noch Schneereste, die Landschaft erinnert mich an meine Wanderung durch die Rocky Mountains in Colorado. Die Vegetation mischt jetzt Kiefern mit Laubbäumen, die Aussicht ist spektakulär und bedrohlich – besonders bei dem wechselhaften Wetter.

Ausgefroren mache ich heute früher Schluss. Eigentlich läuft’s prima, noch viel mehr wäre möglich. Aber ich habe Zeit, kein Grund zur Eile.

Das Leben draußen ist einfach schön, echt und pur. Beim Gedanken ans Ende werde ich schwermütig – ich möchte nicht, dass diese Zeit bald vorbei ist.

San Francisco Peaks

Die San Francisco Peaks sind das höchste Gebirge Arizonas und ein markanter Höhepunkt am Arizona Trail. Der Trail führt westlich an den Bergen vorbei und bietet beeindruckende Ausblicke auf die vulkanischen Gipfel, darunter der Humphreys Peak (3.851 m), Arizonas höchster Punkt. Die Peaks sind nicht nur geologisch spannend, sondern gelten auch als heiliger Ort für mehrere indigene Völker. Wer Glück hat, erlebt hier kühle Temperaturen, ausgedehnte Wälder und im Frühjahr sogar Schneefelder – eine willkommene Abwechslung zur sonst trockenen Wüstenlandschaft des Trails.

Fazit der Tage 20–26 auf dem Arizona Trail

Während ich langsam dem Ende meiner Wanderung näherkomme, hatte ich in den letzten Tagen etwas mehr Erholung in Ortschaften als noch zu Beginn meiner Reise. Trotzdem gab es zahlreiche intensive Naturerlebnissen. Die Kombination aus Wildnis und kurzen Aufenthalten in Ortschaften sorgte für eine gute Balance zwischen Herausforderung und Erholung. Die kleinen und größeren Ortschaften und wechselnde Landschaften machen den Trail immer wieder einzigartig. Der Arizona Trail bleibt anspruchsvoll und abwechslungsreich – mental wie physisch eine echte Herausforderung. Ich bin gespannt, was die kommenden Kilometer noch bringen und freue mich auf die Fortsetzung!

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