Continental Divide Trail – Teil 1 – Reisebericht und Erfahrungen von meinem Thruhike

Wenn die Anreise selbst zum Abenteuer wird

von Weg als Ziel

2026 war ich auf dem Continental Divide Trail (CDT) unterwegs und bin den nördlichen Abschnitt von Muddy Pass in Colorado bis zur kanadisch-US-amerikanischen Grenze in Montana gelaufen – insgesamt knapp 2.300 Kilometer als Sectionhike durch die Rocky Mountains und die weiten Landschaften des amerikanischen Westens.

In dieser Blogserie nehme ich euch mit auf meinen Thruhike / Sectionhike auf dem Continental Divide Trail und teile meine persönlichen Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke unterwegs.

Die einzelnen Beiträge sind als persönlicher Reisebericht von meinem CDT-Thruhike 2026 aufgebaut und geben einen möglichst authentischen Einblick in das Leben auf einem der längsten und anspruchsvollsten Fernwanderwege der USA.

Hier findest du meine 5,3 kg Packliste und meine Ausrüstung die ich auf meiner Tour entlang des Continental Divide Trail (CDT) dabei hatte. Vielleicht sind auch für dich ein paar interessante Gegenstände fürs leichte Packen auf deiner nächsten Tour enthalten.

Anreise – Wenn die Reise selbst zum Abenteuer wird

Es ist mal wieder soweit. Ich gehe wandern.

Der Continental Divide Trail ruft.

Dieses Jahr: die nördliche Hälfte davon. Rund 2500 km von Muddy Pass in Colorado bis hoch an die kanadisch–US-amerikanische Grenze. Durch Wyoming, Idaho und Montana.

Die Anreise war eigentlich komfortabel geplant: Direktflug München – Denver. Davor ein Puffer in München, danach einer in Denver. Alles sauber durchgetaktet, vermeintlich entspannt.

Dann, 15 Minuten vor Boarding, die Hiobsbotschaft: Flug annulliert.

Der Pilot hat sich das Bein gebrochen… wtf?! Ersatzmann gibt es keinen.

Erstaunlich schnell zeigt mir die App eine alternative Verbindung an. Deutlich stressiger, deutlich komplizierter – aber immerhin noch am selben Tag. Wenn alles klappt, „nur“ +9 Stunden, ein zusätzlicher Umstieg und jede Menge Chaos davor und danach.

Embrace the brutality – das inoffizielle CDT-Credo hat offenbar schon auf dem Weg zum Trail begonnen.

Mal sehen, wann ich tatsächlich am Trail stehe.

Anreise 2.0 – Vier Tage Anreise, verlorenes Gepäck und jede Menge Chaos

Die Anreise zum Trail entwickelt sich leider nicht nur zur Flugverspätung.

Gegen Mitternacht stehe ich in einem beinahe ausgestorbenen Flughafen und warte als Letzter auf mein Aufgabegepäck. Doch es kommt nicht. Irgendwann finde ich eine JetBlue-Mitarbeiterin, gebe meine Daten auf – aber mein Gepäck war nicht im Flugzeug. Niemand kann mir sagen, wo es ist.

Shuttle ins Hotel. Mein Gemütszustand? Schwer zu beschreiben. Am ehesten: resigniert. So viel Chaos auf einmal bei einer Anreise habe ich noch nie erlebt. Einzelne Probleme kennt man – aber alles gebündelt ist einfach nur hart. Ich bin todmüde und habe keine Ahnung, wie es weitergeht.

Am nächsten Tag: keine Nachricht. Ich buche noch eine Nacht im Hotel. 130 Dollar, adieu. Ich beginne zu planen, wie ich ohne mein Gepäck starten könnte. Das meiste habe ich im Handgepäck, aber wichtige Dinge fehlen: Schlafsack, Trekkingstöcke, Heringe, Bear Bag, alles weg.

Ein alter Freund vom PCT 2018 („Clax“) bietet Hilfe an. Ich kann Essentials von ihm ausleihen, um zumindest starten zu können. Den Tag verbringe ich mit Organisation, Ersatzbeschaffungen, Resupply-Shopping und endlosen Hotline-Gesprächen.

Und dann – als ich alles mehr oder weniger neu organisiert habe – rufe ich ein letztes Mal an. Eine gute Mitarbeiterin. Mein Gepäck sei gerade jetzt im Flugzeug. Ich solle zum Flughafen und beim Carousel warten. Offizieller Status bleibt trotzdem: „Searching“.

Neue Hoffnung.

23 Uhr am Gepäckband. Minuten vergehen. Dann rutscht mein Gepäck endlich das Band herunter. Ein riesiger Stein fällt mir vom Herzen.

Zurück im Hotel alles neu packen. 1 Uhr nachts endlich ins Bett. Morgen geht’s endlich Richtung Trail.

Vier Tage nur „Anreise“. Schlaf praktisch keiner. Nervös, aber auch gespannt auf den Start.

Prolog – Endlich am Continental Divide Trail

Tag: 5 km
Gesamt: 5 km

Endlich ist es so weit – nach vier Tagen mühsamer Anreise stehe ich endlich am Continental Divide Trail.

Bevor es losgehen konnte, musste ich heute noch einige Stunden in Denver überbrücken. Um 15:30 Uhr fuhr schließlich der Bus von der Union Station Richtung Trail. Wegen des langen 4.-Juli-Wochenendes staute sich der Verkehr jedoch etwas – gefühlt ganz Denver war auf dem Weg ins Umland, um zu feiern. Mit rund einer Stunde Verspätung erreichte ich schließlich den Muddy Pass.

Die Sonne stand bereits tief, also hieß es Gas geben. Zuerst musste ich noch etwa drei Kilometer entlang eines stark befahrenen Highways laufen, bevor ich endlich eine ruhigere Forststraße erreichte. Kurz darauf wurde es bereits dunkel und es war Zeit, einen Schlafplatz zu suchen. Nach fünf Kilometern fand ich schließlich ein passendes Plätzchen.

Ganz so ruhig, wie erhofft, wird die erste Nacht allerdings nicht. Nicht weit entfernt hat sich eine Gruppe Camper mit Autos, großen Zelten, Generatoren und lauter spanischer Musik eingerichtet. Tja, 4. Juli … nicht einmal am CDT ist man davor sicher.

Jetzt heißt es: Ohrstöpsel rein und hoffen, dass ich etwas Schlaf bekomme.

Morgen geht das Abenteuer dann endlich richtig los!

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Tipp: Die Tidy Gaiters Trail Gamaschen sind speziell auf Weitwanderungen ein unverzichtbarer Ausrüstungsgegenstand in meiner Packliste. Diese Gamaschen hindern Sand und anderen Schmutz davor, in den Schuh einzudrinderungen. Das macht das Wandern angenehmer.
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CDT Tag 1 – Die ersten Kilometer auf dem CDT

Tag: 51 km
Gesamt: 56 km

Für meine erste Nacht draußen schlafe ich erstaunlich gut. Nach den Strapazen der Anreise war ich einfach komplett erledigt.

Um 5 Uhr klingelt der Wecker – jetzt beginnt das CDT-Abenteuer endlich richtig. Die ersten 23 Kilometer brauche ich, um in den Tag zu finden. Um 10:20 Uhr mache ich bereits Pause. Verrückt, wie viel Zeit man im Hochsommer zum Wandern hat. Die Tage sind einfach endlos.

Nach rund 30 Kilometern wird die Landschaft zum ersten Mal richtig spektakulär. Genau so, wie ich Colorado noch vom Colorado Trail kenne – mit einem entscheidenden Unterschied: keine anderen Thru-Hiker. Den ganzen Tag begegne ich keinem einzigen CDT-Hiker, nur ein paar wenigen Wochenendwanderern. Die meiste Zeit bin ich völlig allein unterwegs.

Langsam wird mir klar, dass der CDT tatsächlich anders ist als seine Geschwister wie PCT oder AT. Kaum Menschen, nur wenige Trailmarkierungen und deutlich weniger ausgebaute Wege. Die Navigation verlangt mehr Aufmerksamkeit. Genau das macht den Trail aber auch spannend.

Ich bin unglaublich gespannt, was mich in den nächsten Wochen erwartet. Ich stehe schließlich noch ganz am Anfang. Respekt vor diesem Trail habe ich auf jeden Fall.

Um 18 Uhr ist Schluss für heute. 51 Kilometer am ersten Tag reichen völlig aus. Schließlich war ich den ganzen Tag auf über 3.000 Metern unterwegs, der höchste Punkt lag bei rund 3.700 Metern. An die Höhe bin ich noch längst nicht gewöhnt – das merke ich deutlich. Die 1.600 Höhenmeter Anstieh ziehen sich heute ordentlich.

Gegen Abend macht sich der Kopf bemerkbar. Also erst einmal Ibu und alles, was die Reiseapotheke hergibt. Zum Glück wird es kurz darauf besser. Zeit, ins Bett zu kriechen – morgen wartet der nächste Tag auf dem Continental Divide Trail.

CDT Tag 2 – Blowdowns, Dirt Roads und die erste Trail Magic

Tag: 51 km
Gesamt: 107 km

Der CDT ist anders. Vor allem wegen der unzähligen Alternativen. Es gibt nicht den einen Weg. Man kann der Redline folgen oder sich seinen eigenen Trail zusammenstellen. Heute Morgen stehe ich direkt vor der ersten Entscheidung. Ich lasse eine von Ley empfohlene Alternative aus und bleibe auf der Redline.

Im Nachhinein war das vielleicht nicht die beste Idee. Viel gibt es nicht zu sehen. Dafür jede Menge abgestorbener Wald und die ersten richtigen Blowdowns. Die kreuz und quer liegenden Bäume erinnern an Mikadostäbchen. Ständig drüber, drunter oder irgendwie dazwischen durch. Das kostet Zeit, Kraft und erhöht das Verletzungsrisiko. Zwei, drei Schrammen gehören jetzt schon zur Sammlung.

Danach zeigt mir der CDT eine seiner anderen Seiten – die berüchtigten Dirt Roads. Über viele Kilometer geht es auf staubigen Forststraßen und ATV-Pisten dahin. Nicht gerade das, was man sich unter einem Fernwanderweg vorstellt. Meine Beine sind mittlerweile komplett mit einer feinen Staubschicht überzogen und sehen aus, als wäre ich schon seit Wochen unterwegs.

Zum Glück hat der Tag auch seine schönen Momente. Mitten im Nirgendwo stehen plötzlich zwei Kühlboxen am Wegesrand. Meine erste Trail Magic auf dem CDT. Damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet. Eine eiskalte Dose Mountain Dew und ein Mini-KitKat können nach einem langen Wandertag erstaunlich glücklich machen.

Kurz vor dem Tagesziel erreiche ich schließlich die Grenze zwischen Colorado und Wyoming. Ein kleiner Moment, der sich irgendwie größer anfühlt. Ich betrete zum ersten Mal Wyoming – ein Bundesstaat, den ich bisher noch nie besucht habe.

Mit dem Wechsel nach Wyoming fühlt es sich an, als würde der CDT jetzt erst richtig anfangen. Ich bin gespannt, was dieser wilde, einsame Trail noch alles für mich bereithält.

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Tipp: Am CDT kann es auch kalt werden. Ein Hoodie aus Polartec Direct Alpha ist nicht nur warm sondern für sein Gewicht extrem leicht. Diesen Hoodie hatte ich auf meiner Wanderung am CDT dabei.

CDT Tag 3 – Der erste Town Stop und unerwartete Hilfe

Tag: 34 km
Gesamt: 141 km

Heute stand der erste Town Stop an. Ziel: Encampment. Essen nachkaufen, duschen, Geräte laden und all die Dinge erledigen, die man eben in der Stadt macht.

Eigentlich dachte ich, das wird ein kurzer, entspannter Tag. Ich war fest davon ausgegangen, dass es ab heute gemütlich Richtung Wyoming bergab geht. Ein Blick auf die Höhenmeter vorher wäre wohl keine schlechte Idee gewesen. Stattdessen warteten fast genauso viele Anstiege wie an den Vortagen – nur auf deutlich kürzerer Strecke. Am Ende wurden es trotzdem 34 Kilometer.

Am Battle Pass dann die nächste Überraschung: Zwei Hiker warteten bereits seit über zwei Stunden auf einen Hitch nach Encampment. Kurz nach mir kamen noch zwei weitere dazu. Fünf Hiker an einem Pass – die Chancen auf eine Mitfahrgelegenheit wurden nicht gerade besser.

Die beiden älteren britischen Hiker riefen schließlich ihre Lodge an und wurden abgeholt. Für uns war leider kein Platz mehr. Ich hatte sowieso keinen Empfang. Irgendwann beschlossen wir, unser Glück anders zu versuchen. Einer der anderen Hiker schrieb einer Trail Angel – und tatsächlich kam sie vorbei und sammelte uns ein. Unglaublich, wie hilfsbereit die Trail-Community ist.

Die Nacht verbringe ich direkt hinter dem Grocery Store auf dem Rasen. 20 Dollar – dafür gibt’s eine Dusche, Steckdosen, Sitzgelegenheiten und ich kann gleich meinen Resupply erledigen. Perfekt unkompliziert.

Irgendwie war heute alles etwas hektischer für mich als geplant. Aber das habe ich mir selbst eingebrockt. Offenbar bin ich die Town-Routine nicht mehr gewohnt. Ich muss einfach etwas entspannter werden.

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Tipp: Am CDT kann es jederzeit regnen. Ultraleichte Rucksack Liner gibt es in zwei Größen. Sie halten deine Ausrüstung trocken und schützen empfindliche Gegenstände auf deinen Wanderungen zuverlässig vor Regen oder Staub und Schmutz.

CDT Tag 4 – Richtung Great Basin

Tag: 50 km
Gesamt: 191 km

Noch vor Sonnenaufgang spaziere ich die Straße entlang bis zum Ortsausgang. So früh am Morgen schätze ich meine Chancen auf einen Hitch zurück zum Trail allerdings als ziemlich gering ein. Über eine Stunde warte ich auf der berühmten „Hiker Bank“. Kaum ein Auto kommt vorbei.

Um 7 Uhr ändere ich meinen Plan. Direkt daneben öffnet ein kleines Lokal. Anstatt weiter zu warten, gönne ich mir spontan ein Frühstück. Dort lerne ich „Red Line“ kennen und wir essen gemeinsam. Kaum stehen wir danach wieder an der Straße, hält auch schon ein Auto. Der Local Matthias nimmt uns mit hinauf zum Pass – manchmal braucht es einfach nur etwas Geduld.

Oben trenne ich mich wieder von Red Line und starte mit etwas Verspätung in den Tag. Kurz darauf treffe ich Rocket, den ich gestern Abend schon kurz kennengelernt habe. Wir laufen eine halbe Stunde gemeinsam und plaudern, bevor ich wieder mein eigenes Tempo anschlage.

Plötzlich verändert sich die Landschaft komplett. Alles wird trockener – ein erster Vorgeschmack auf das Great Basin. Oder bin ich schon mittendrin? Die Water Carries werden länger, die Landschaft weiter und offener. Prärie, Wüste, endlose Leere – wie auch immer man es nennen will. Der Trail verschwindet immer wieder beinahe vollständig. Mal folge ich Reifenspuren, mal führt der CDT sogar ein Stück über einen Highway.

Auch das Wetter macht, was es will. Mein erster kurzer Regenschauer, kurz darauf wieder strahlender Sonnenschein. Und dann, völlig unerwartet, Trail Magic am Wegesrand – ein paar Snacks, genau zur richtigen Zeit.

Die zweite Tageshälfte verbringe ich komplett allein. Niemand weit und breit, nur Wildlife. Ich sehe Wild, Murmeltiere und sogar einen Biber in dem einzigen kleinen Rinnsal weit und breit.

Als in der Ferne die Kojoten zu heulen beginnen, schlage ich mein Zelt auf. Der Wind bläst ununterbrochen Staub und Sand ins Innere. Ich verstaue meine Habseligkeiten so gut es geht, mache alles halbwegs staubsicher und verkrieche mich in den Schlafsack. Die ersten Regentropfen prasseln aufs Zelt.

Gute Nacht aus Wyoming.

Wasserversorgung – Sollte am CDT, besonders in den trockenen Regionen wie in New Mexico oder dem Great Basin in Wyoming, nicht unterschätzt werden:

Je nach Region und Saison kann die Wasserversorgung eine Herausforderung sein. Zur Pflichtausrüstung am CDT gehört ein Wasserfilter und/oder anderer Methoden zur Wasseraufbereitung.

Leichte und portable Wasserfilter die sich für den CDT eignen sind z.B.:

Tabletten als Ergänzung und/oder Backup:

Besonders leichte und kompakte Faltflaschen eignen sich für Situationen in denen man besonders viel Wasser transportieren muss:

Für etwas Geschmack im Wasser und die wichtige Versorgung mit Salzen solltest du ausreichend Elektrolyte zu dir nehmen:

CDT Tag 5 – Sturm, Wasserknappheit und endlose Dirt Roads

Tag: 49 km
Gesamt: 240 km

Aus dem Nichts setzt starker, böiger Wind ein. Diffus zucken Blitze durch die Zeltwand. Ich bin im Halbschlaf – eigentlich wollte ich noch eine Stunde schlafen.

Plötzlich kollabiert mein Zelt. Ein Hering hat sich gelöst. Der Boden ist alles andere als ideal. Für einen Moment sitze ich in meinem klaustrophobischen Gefängnis und muss mich erst einmal sammeln. Ich sichere das Zelt notdürftig, traue mich hinaus und schlage den Hering tiefer ein. Natürlich bricht dabei der Kopf des Herings ab. Perfekt. Immerhin steht das Zelt danach wieder halbwegs. An Schlaf ist trotzdem nicht mehr zu denken. Es beginnt zu regnen, also mache ich mich fertig für den Aufbruch. Lieber draußen unterwegs als in einer instabilen Folie sitzen. Doch so schnell das Unwetter gekommen ist, so schnell zieht es auch wieder weiter.

Die Stimmung am Morgen entschädigt für alles: Hinter mir dunkle, bedrohliche Wolken, vor mir orange und gold leuchtende Wolken, während die Sonne langsam über dem Horizont aufgeht.

Trotzdem wird es der zäheste Tag bisher. Dirt Roads. Dirt Roads. Dirt Roads. Kilometer um Kilometer. Schatten finde ich nur kurz unter ein paar Brücken.

Im letzten Teil des Tages wird Wasser zur Mangelware. Zwischen zwei Wasserstellen liegen 38 Kilometer. Genau in der Mitte muss ich mein Dry Camp aufschlagen – sonst wären heute fast 65 Kilometer nötig gewesen. Das wäre vielleicht machbar gewesen, aber ich möchte mich nicht schon in der ersten Woche komplett zerlegen. Also schleppe ich fünf Liter Wasser durch Sonne und Wind. Der Rucksack fühlt sich plötzlich viel zu schwer an, während sich die endlosen Dirt Roads bis zum Horizont ziehen.

Aus einem Bau direkt neben der Straße faucht mich plötzlich ein Honey Badger an. Dem gehe ich lieber aus dem Weg.

Kurz vor Tagesende schalte ich mein Handy ein und werde mit einer Tornadowarnung begrüßt. Extreme Caution. Sofort Keller oder geschützte Gebäudeteile aufsuchen. Tja… einen Keller habe ich leider nicht dabei. Und mein Shelter hier draußen wäre selbst ohne Tornado eher als „optimistisch stabil“ zu bezeichnen.

Ich habe zwar als Jugendlicher Twister gesehen, würde mich aber trotzdem nicht als Tornado-Experten bezeichnen. Also werfe ich sicherheitshalber einen Blick auf den Wetterbericht für das nahegelegene Rawlins. Dort scheint alles ruhig zu sein.

Mal sehen, was die Nacht bringt.

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CDT Tag 6 – Ein halber Ruhetag in Rawlins

Tag: 30 km
Gesamt: 270 km

Die Tornadowarnung vom Vorabend entpuppte sich zum Glück als Fehlalarm. Es blieb die ganze Nacht windstill und ich konnte endlich wieder richtig gut im Zelt schlafen.

Heute führt mich der CDT direkt durch Rawlins – einer der wenigen Town Stops, die direkt am Trail liegen. Das spart immerhin das sonst übliche Hitchhiken.

Vorher stehen aber noch 30 Kilometer an. Die ersten fünf davon komplett weglos, quer durchs Gemüse. Ich schlängle mich durch unzählige Sagebrush-Büsche und suche mir meinen eigenen Weg.

Irgendwann erreiche ich den Highway und laufe weiter bis in die Vororte von Rawlins. Rural America at its best: Häuser, die in Europa kaum als Versandkarton durchgehen würden, vollgestellte Hinterhöfe und dieser ganz eigene Charme. Der Kontrast überrascht mich jedes Mal aufs Neue.

Am anderen Ende der Stadt warten Motels, Fast-Food-Ketten und Walmart – genau das, was man als Thru-Hiker nach mehreren Tagen in der Wildnis braucht. Das 1st Choice Inn bietet sogar einen Hiker-Tarif an: 60 US-Dollar inklusive Steuern und Frühstück. Da muss ich nicht lange überlegen.

Also gönne ich mir einen halben Ruhetag mit Duschen, Wäsche waschen, Resupply für die nächsten vier Tage, viel essen und einfach einmal entspannen.

Denn danach geht es wieder hinaus ins Great Basin. Die nächsten rund 200 Kilometer werden dem bisherigen Abschnitt sehr ähnlich: trocken, eintönig und mit angekündigten Temperaturen von bis zu 37 °C. Mental eine echte Herausforderung – und das alles ohne einen einzigen Baum, der Schatten spenden könnte.

Mal sehen, was dieser Abschnitt noch für mich bereithält.

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Meine Ausrüstungsempfehlungen für Weitwanderungen

Diese Ausrüstungsgegenstände habe ich auf dem Continental Divide Trail (CDT) oder auf anderen Weitwanderungen in der Vergangenheit selbst verwendet und kann sie aus eigener Erfahrung empfehlen. 

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