Die zwei Gesichter Estlands – Part 2: The Bad | Estland

von Weg als Ziel

Nachdem ihr in Teil 1 meines Reiseberichtes erfahren habt wie es mir auf dem ersten Teil meines 210km Weges ergangen ist, könnt ihr nun auch meine Erlebnisse der zweiten Hälfte nachlesen.

Soviel sei vorweg genommen: Teil 1 kommt bei mir besser weg…


Springe zu den einzelnen Kapiteln des Reiseberichts:

27.08.2015 – Noku Campsite bis Hirvelaane Campsite:

Distanz ~50km (ca. 3km als Anhalter); Summe = 147km

Der Morgen dieses Tages beginnt nebelig, kein Wunder bei der umliegenden Moorlandschaft und den kühleren Spätsommertagen hier in Estland. In aller Früh breche ich auf und nach wenigen Metern befinde ich mich auf dem nächsten beplankten Weg über ein weites Moor. Die Tautropfen hängen in den unzähligen Spinnennetzen in der kargen Vegetation. Ich bin absolut alleine, die Stimmung ist soweit klasse.

Langsam dringen die ersten Sonnenstrahlen durch die Nebeldecke und ich komme gut voran. Mein heutiger Plan sieht vor in etwa eine ähnlich gemütliche Distanz wie die letzten Tage zurückzulegen und weil im folgenden Abschnitt die Dichte an offiziellen Campingplätzen niedriger ist irgendwo mein Zelt aufzustellen. Die ungenaue Karte zeigt nach wie vor hauptsächlich „grüne“ Flecken auf meinem Weg.

Langsam beginnt sich die Beschaffenheit des Weges zu verändern. War es vorher eine Mischung aus kleineren Wegen, Pfaden und Forststraßen, sind es mittlerweile fast ausschließlich Schotterpisten oder asphaltierte kleinere Sträßchen welche den spärlich verteilten Bewohnern bzw. deren PKWs dienen. Es gibt nun also weniger zu sehen und ich komme schnell voran. Die 20 km bis zum Campingplatz Hiieveski sind schnell zurückgelegt. Ich merke wie ich nun in dichter besiedeltes Terrain komme und Asphalt ist nun der Belag meiner einzig möglichen Wahl. Dieser Campingplatz liegt direkt an einem größeren See nahe dem Städtchen Ardu. Das französische Paar vom Vortag hat mir gesagt das ihre Reise hier endet, von hier gibt es laut ihrer Auskunft auch eine Busverbindung von und nach Tallinn für alle die hier aufhören möchten/müssen.

Weil der Tag noch recht jung ist und die Sonne scheint beschließe ich hier eine ausgedehnte Pause zu machen. Ich wasche mich im See, esse und liege in der Sonne. Ganze 3 Stunden lang. Dann werde ich zu ungeduldig und mache mich auf den Weg. Davor fülle ich noch meine Flachen im See. Der See liegt neben einer Stadt in besiedeltem Gebiet und neben einigen Straßen bzw. neben einer Autobahn, zusätzlich sehe ich viele Fischer am Ufer und kleine Boote auf dem See, eigentlich wünsche ich mir weniger anthropogene Einflüsse für mein Trinkwasser aber ich habe keine Wahl.

Asphalt führt mich ans Ende des Sees und über eine kleine Autobahn. In einer kleinen Siedlung frage ich einen jungen Burschen welcher im Garten spielt, ob er mir meine Wasserflaschen im Haus füllen kann. Erstaunt stelle ich fest, dass er sehr gut Englisch spricht. Ich leere mein beiden Liter Seewasser aus und vertraue ihm die Behälter an. Drei Minuten später halte ich neues Wasser in der Hand. Deutlich brauner, gelblicher und schwefeliger (?) im Geschmack als meine selbst abgefüllten Reserven aus dem See. Ich bedanke mich und denke mir „schlechter Tausch“ und wünschte ich hätte zumindest einen Liter Seewasser behalten, denn das Wasser aus der Leitung bekomme ich geschmacklich kaum meine Kehle runter. Immerhin hebt er einen kleinen schrumpeligen Apfel vom Gartenboden auf und reicht mir diesen zum Abschied. Ich freue mich über ein paar Vitamine und gehe weiter Richtung Süden.

Ich muss leider wieder feststellen, dass sich der Trail ab der 100 km Marke leider nicht nach meinem Wunsch entwickelt hat. Klar hätte ich mich genauer informieren können, was über die Homepage leicht möglich gewesen wäre. Wenn ich mir aber einen Weg und ein Ziel aussuche, dann setzt sich das in meinem Kopf fest und ich schaue nicht auf die Details, weil ich ohnehin einen ausgewählten Weg gehen möchte. Wieso denn nun so negativ? Der Weg gestaltet sich im Wesentlichen so: Forst- und Schotterstraße kerzengerade am Papier angelegt durch Forst für 2-3 km, dann ein paar Grad Richtungswechsel und die nächsten 2-3 km absolute Gerade. Links und rechts des Weges Forst, mal abgeholzt und neu aufgeforstet sowie alte Äste die Kraut und Rübe herum liegen, mal dichter undurchsichtiger Wald mit tiefen Furchen von Fahrzeugen am Boden durchsetzt. Ich schreite voran: 1. Schritt, 2. Schritt,…… 5.000 Schritt à Richtungswechsel à 1. Schritt, 2. Schritt,…… 5.000 Schritt à Richtungswechsel usw.

Nach einiger Zeit komme ich in landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Die Wegführung ist ähnlich: gerade, lediglich ändert sich der Belag auf Asphalt. Alle paar hundert Meter steht ein Bauernhäuschen. So nett anzusehen aber ewig hindurch marschieren ist nicht meines. Immer setzen Autos an mir vorbei. Auf den riesigen Feldern herrscht reger Betrieb, die Mähdrescher nutzen das gute Wetter und holen die spätsommerliche Ernte ein. Ich bin also nicht alleine und stets in direkter Blickdistanz eines Hauses, Estland ist nun mal eben wie eine Bratpfanne. Ich verwerfe meinen Plan in dieser Ecke zu campieren und immer mehr manifestiert sich der Gedanke zum nächsten Campingspot weiterzugehen, welcher scheinbar unmittelbar nach dieser landwirtschaftlichen Fläche kommen soll. Die Distanz zwischen letztem Campingspot am See und dem Platz Hirvelaane beträgt 29,3 km. Eigentlich wollte ich einen gemütlichen Tag machen und die Tagesetappen bis nach Eidapere, wo ich den Zug nehmen möchte, in etwa gleich lang halten. Außerdem habe ich heute eine lange 3h Pause eingelegt in dem Gedanken daran. Der Entschluss ist gefasst und ich beschließe heute einen 50er Tag zu machen. Ich drücke also aufs Tempo, ich möchte vor Sonnenuntergang mein Ziel erreichen. Die Batterien meiner kleinen Petzl e+LITE Headlight möchte ich schonen.

45 km Schotter und Asphalt geradeaus beginnen mich richtig zu nerven. Ich denke an die Worte meines Vaters der mir vor kurzem empfohlen hat einfach mal der Erfahrung wegen per Anhalter zu fahren. Habe ich noch nie in meinem Leben gemacht. Mir gefällt der Gedanke und ich beschließe spontan den Daumen rauszuhalten. Das zweite Auto bleibt stehen. Ein großer, schwarzer, neuer SUV. Ich erkläre einem Mann in guter Kleidung im mittleren Alter ich wolle nur ein paar km die Straße mit runter fahren um mir diese ewige Gerade zu ersparen. Er nimmt mich mit. Wir plaudern kurz. Er möchte ins Cider-Geschäft einsteigen und ist von Tallinn hierher zurückgezogen, an die Stätte seiner Vorfahren. Auf der kurzen Fahrt sehen wir 2 Wanderer mit großem Rucksack auf dem Weg. Der Fahrer hält an und fragt ob sie auch mitwollen. Es sind zwei junge Esten die ebenfalls einen Teil des Weges gehen. Da treffe ich die zweite Gruppe Hiker und genau in diesem Moment sitze ich wie eine Pfeife als Hitchhiker in einem Auto. Ich muss innerlich laut darüber lachen. Beinahe rast er an meiner Wegkreuzung vorbei, denn weit war es ja nicht bis hier her und er wundert sich wieso jemand wegen dieser Distanz stoppt. Er warnt mich beim Aussteigen noch vor den vielen Bären die es hier in der Gegend geben sollte und erklärt mir wie ich mich verhalten sollte. Ich bin ein bisschen verwundert. Ich weiß, dass es in Estland Bären gibt, aber bisher haben meine Recherchen wenig Gefahrenpotential ergeben… Ich nehme den Hinweis dankend an und mache mich auf den Weg.

Zum Schutz vor den angeblichen Bären schaue ich nun ein paar Mal öfters in die Wälder links und rechts. Ab und an rufe ich zum Spaß: „Hey Bear!“ und erinnere mich schmunzelnd zurück an meine „Bearanoia“ während meiner Zeit in Alaska.

Nach ca. 2 km erreiche ich bei Einbruch der Dämmerung das Camp Hirvelaane. Während ich die allabendlichen Dinge erledige erwarte ich jederzeit die beiden estnischen Wanderer, wenn sie wirklich denselben Weg gehen müssten sie in wenigen Minuten hier sein. Es tut sich jedoch nichts und nach ca. 1 Stunde lege ich mich in mein Zelt. Kurz vor dem einschlagen höre ich Schritte den Weg entlang kommen. Neugierig zippe ich den RV meines Zeltes auf und erkenne die beiden Esten. Ich begrüße sie kurz und wir quatschen ein paar Minuten. Sie haben die letzte Wegkreuzung verpasst (die an der ich die Bärenwarnung erhalten habe) und mussten einigen Umweg gehen.

Ich bin froh nach meiner heutigen Tagesdistanz keine Weggabelung verpasst zu haben und penne dahin.

28.08.2015 – Hirvelaane Campsite bis Lelle, dann Zug Lelle nach Eidapere dann weiter bis Mukri Campsite:

Distanz ~35km; Summe = 182km

 Beinahe exakt um 00:00 in der Nacht setzt Regen ein. Meine Mitfahrgelegenheit am gestrigen Abend hat mich schon drauf eingestimmt.

Der Morgen beginnt in Regenkleidung und heute etwas geruhsamer als sonst. Erstens habe ich gestern mehr als genug Distanz zurückgelegt um mein Ziel in Eidapere Tage vor meinem Abflug erreichen zu können und zweitens tausche ich mich mit den beiden Esten aus.

Die beiden sind Freunde und es ist ihre erste gemeinsame Tour, sonst waren sie immer mit anderen unterwegs. Sie wollen bis Lelle weiter, es ist also ihr letzter Tag auf dem Trail. Sie sind anscheinend 2 Tage vor mir gestartet und wundern sich über meine Tagesleistungen von 30+ km und das obwohl ich meine Tage immer sehr früh beende und locker unterwegs bin.

Ich erkläre ihnen den Vorteil von leichterem Gepäck (auch wenn ich mit in Summe knapp 7kg Basisgewicht am Rücken weit weg von Ultraleicht bin) und leichten Schuhen. Sie klagen über Blasen und schmerzende Fersen. Sie tragen beide feste, hohe Stiefel in welche ich mich in meinem Leben nicht mehr hinein mühen möchte. Sie versichern mir aber wirklich lediglich das notwendigste dabei zu haben!

Sie starten ihren Morgen mit einem herzhaften Frühstück. Die Familienpackung Haferflocken samt Kilo Zucker kommt zum Vorschein. Alles wird in einem großen Topf und per „gscheidem“ Kocher auf Hitze gebracht. Jeder packt sein faltbares Essensset aus… Müslischüssel zum falten, Teller, tiefer Teller, Messer, Gabel… selbstverständlich aus Kunststoff. Muss ja schön leicht sein. Die Wurst wird fein säuberlich geschnitten und mampf,mampf… Ich reiße meinen Beutel Instanthaferflocken auf, presse etwas Wasser durch meinen verstopften Sawyer Mini Filter und schiebe meinen Alu Spork hinein. Dazu einen Riegel und fertig ist mein Frühstück.

Ich verabschiede mich und renne los. Es regnet ergiebig. Eigentlich besteht der Weg nach wie vor lediglich aus asphaltierten Straßen und Schotterpisten, kurze Abkürzungen durch kleine Waldstücke bzw. über grasige Wege zwingen meine Membran in den Schuhen schnell in die Knie.

Es gibt angenehmere Trekkingerinnerungen aber Regen bin ich mittlerweile halbwegs gewöhnt (so gut das eben geht), vielmehr nervt die Wegführung.

Bald steht zur Abwechslung vom Asphalt wieder eine Überquerung eines Moores an, darauf freue ich mich. Ich erinnere mich daran in den Unterlagen auf der Homepage gelesen zu haben, dass der Plankenweg über das Moor noch nicht fertig gestellt sei und eine Überschreitung nur den abenteuersuchenden Wanderern empfohlen wird, alternativ führt die Wegeführung des Radweges im Osten vorbei. Das würde einen Umweg durch Dörfer bedeuten und ich habe die Schnauze von Straßen voll.

Im Regen packe ich meine Karte aus um mir das ganze nochmals anzusehen. In dem Augenblick bleibt eine vorbeifahrende Fahrerin stehen und fragt ob ich Hilfe brauche. Ich frage sie ob sie weiß ob der Plankenweg mittlerweile fertig gestellt ist. Sie weiß es nicht, telefoniert aber eine Freundin an. Diese meint der Weg ist frei, die Hölzer liegen niegelnagelneu im Moor und warten nur auf mich.

Ich bedanke mich und freue mich über diese Nachricht. Abenteuer gut und recht, aber bei diesem Sauwetter kann ich mir angenehmeres vorstellen, als in einem Moor nasse Füße zu holen.

Die Frau am Telefon hatte recht! Leider endet auch der Weg durchs Moor bald und ich marschiere weiter auf Straßen Richtung Lelle welches ich auch bald erreiche.

Lelle ist eine kleine Stadt an einer Autobahn und verfügt über eine direkte Zugverbindung von und nach Tallinn. Ich versuche den „Supermarkt“ im Ort zu finden um mir ein oder zwei Leckereien zu gönnen. Die Bewohner von Lelle sind rar, besonders bei diesem Wetter, darüber hinaus sind die jenen ich begegne auch nicht allzu freundlich. Das Angebot im Markt ist mehr als mager. Ich frage spontan ob sie hier in der Gegend ein Guesthouse haben. Nein…. Helfen wollen sie auch nicht wirklich. Ich lasse es und entscheide spontan heute den Zug 1-2 Stationen Richtung Süden zu nehmen und dann dort an einem nahen Campingspot zu campieren damit ich weg von der Stadt komme. Ich drehe also die letzten paar Kilometer meines Weges einfach um. Theoretisch hätte ich noch genügend Zeitreserve um weiter Richtung Süden zu spazieren, dort gibt es aber so bald keine Möglichkeit mehr einfach auszusteigen.

Während ich am Bahnhof warte und ein bisschen nasche, lässt der Regen nach. Ich nehme den Zug und entscheide mich im nächsten Bahnhof in Koogiste auszusteigen. Gesagt, leider nicht getan. Ich bin im falschen Wagen (2 teiliger Zug), der Bahnsteig ist zu kurz und ich kann in meinem Wagen die Türen nicht öffnen. Genial! Naja, so wird mir die Entscheidung abgenommen. Ich fahre noch eine Station bis Eidapere und werde dort am Mukri Campspot nahe eines Moores campieren.

Das Wetter ist mittlerweile wieder gut. Ich lege die letzten paar km vom Bahnhof bis zur Campsite zurück. Natürlich in einer Geraden, denn der Plankenweg der in der Hälfte meines Weges beginnen sollte ist gesperrt weil er renoviert wird.

Ich erreiche Mukri. Der Platz ist nicht wirklich schön zum Zelten, verfügt allerdings über einen großen bedachten Unterstand. Da mein Zelt und meine Sachen ohnehin noch nass sind beschließe ich mir für heute Nacht ein gemütliches Bett aus Bänken und Brettern zu bauen und meine nassen Sachen richtig trocknen zu lassen.

Ich schlage die Zeit bis zur Nachtruhe tot und schlafe irgendwann ein. Heute scheint Vollmond zu sein, zumindest strahlt er mir verdammt hell ins Gesicht, was seine Reize hat.

29.08.2015 – Mukri Campsite bis Lelle Bahnhof (nordwärts):

Distanz ~24km; Summe = 206km

Heute ist mein letzter Tag auf dem Weg. Ich werde die Strecke die ich gestern per Zug gefahren bin retour bis Lelle marschieren und dort per Zug retour nach Tallinn fahren. Bei angenehmem Wetter stellt sich der Weg wiederum als nicht sehr reizvoll dar. Im Laufe des Tages habe ich die Distanz zurückgelegt, kaufe mir nochmals eine Jause bei der unfreundlichen Dame im kleinen Markt und warte auf den Zug der mich pünktlich nach Tallinn bringt.

Der Wandertag geht ohne große Highlights zu Ende.

In Tallinn Hauptbahnhof steige ich um in einen Zug nach Ülemiste um von dort in mein Hostel zu marschieren.

Die letzten beiden Tage bis zu meinem Abflug verbringe ich in Tallinn. Ein Tag hätte genügt. Eigentlich wäre es auch nur einer geworden, da ich aber schneller war als ich wollte hatte ich eben einen weiteren Tag in Tallinn zur Verfügung.

Fazit:

Meine knapp über 200 km durch Estland können eigentlich sehr exakt in einen Guten und einen Schlechteren Teil geteilt werden. Die Grenze war in etwa bei km 100.

Die erste Strecke bis Aegviidu entspricht dem alten Korve Trail, welcher durchaus seine Reize hat und vielfach durch ausgedehnte Kiefernwälder führt. Ein großer Teil des Weges liegt im Lahemaa Nationalpark bzw. liegt auch der zweite Teil der ersten 80km in geschütztem Bereich. Es gibt zwar sicher spannendere Wege, trotzdem waren meine Tage darauf abwechslungsreich und gut. Da ich zu Beginn einer Wanderung immer 1-2 Tage brauche bis ich in „Fahrt“ bin und das ganze genieße, hätte ich mir gewünscht, dass ich die erste Hälfte des Weges nicht zu Beginn gelaufen wäre ;).

Die zweite Hälfte, also ca. ab km 100 hat mich einige Nerven gekostet. Der Weg ist einfach zu begehen, bietet aber so gut wie keine Highlights (Ausnahme sind vielleicht das ein oder andere Moor). Am mühsamsten ist aber der Wegverlauf und der Belag. Ewige Geraden und vorwiegend Schotter bzw. Asphalt.

Laut Auskunft der beiden Esten sollen laut Hörensagen der nördlichste Teil des Trails (alter Korve Trail) sowie dann im Süden in der Gegend von Ilka die schönsten Abschnitte des 370 km langen Weges von Oandu nach Ilka liegen. Bestätigen kann ich allerdings nur den nördlichsten Teil.

Die Campingspots sind meist ausreichend vorhanden. In der weniger populären Mitte des gesamten Weges von Oandu – Ilka ist die Dichte noch etwas geringer und es liegen auch mal Distanzen von 30 km zwischen den Spots. Teilweise sind die Plätze sehr schön, manchmal nur zweckmäßig. Trotzdem ist es schön dass diese Möglichkeit vorhanden ist. Ist ja nicht selbstverständlich, dass man so locker, leicht und offiziell durch ein Land spazieren kann in seinem Zelt.

Die Wasserversorgung ist meiner Meinung nach nicht immer ideal. Filter spülen kann je nach Modell notwendig werden. Im Idealfall gibt es ein rinnendes Gewässer oder einen größeren See oder Teich. Manchmal aber auch nur Tümpel, Begleitgräben oder Feuerlöschteiche. Ich habe meinen Wasserverbrauch in der zweiten Hälfte runter geschraubt und versucht an geeigneten Stellen aufzutanken. Z.B. Nature Center, 1 mal habe ich auch gutes (!) Wasser von einer Person die im Garten war erhalten.

Die Verpflegungsmöglichkeiten auf dem Weg sind spärlich. Zwar sind auf der Karte das ein oder andere „Restaurant“ in der Nähe des Weges eingezeichnet. Diese würden einen Umweg bedeuten bzw. jene die am Weg liegen sollen habe ich nicht als solche identifiziert bzw. haben sie nicht so gewirkt als würden sie in Betrieb sein. „Supermärkte“ gab es in Aegviidu und Lelle, man sollte sich aber nicht zu viel erwarten.

Ausstiegsmöglichkeiten gibt es am Weg in Aegviidu (Zug), Ardu (Bus) und Lelle bzw. seiner Peripherie (Zug). Ansonsten trifft man doch immer wieder mal ein Auto oder Menschen welche auch eine Möglichkeit darstellen.

Der Weg ist eigentlich perfekt gekennzeichnet, an 1-2 Stellen ist den Herrschaften bei der Beschilderung ein Fehler unterlaufen (welche mir aufgefallen sind, vielleicht sind es auch mehr). Das Kartenmaterial von der Homepage reicht eigentlich zur Orientierung, die GPS Dateien von der Homepage sind sehr genau. Die Karten die man im Nature Center kaufen kann braucht man nicht zwingend. Sie sind aber ganz ok und auch günstig. Sie enthalten aber doch die ein oder andere nette Information wie z.B. Distanzen zwischen den einzelnen Punkten etc. Diese findet man mit etwas Aufwand auch auf der Homepage. Sehr genau sind die Karten wie erwähnt nicht, es sind keine Topos. Sie enthalten trotzdem die meisten Wege und Straßen sowie Art der Landnutzung.

Das Wetter war mit wenigen Ausnahmen gut. Temperaturbereich in dieser Jahreszeit würde ich auf 5-25 °C schätzen. Das es generell auch mehr regnen kann in dieser Gegend hat man an der Vegetation und dem ein oder anderen ausgetrockneten Schlammloch gesehen.

In Summe war die Reise trotzdem lohnenswert denn auch in den weniger schönen Momenten lernt man immer wieder was dazu bzw. über sich selbst. Wege die nicht ausschließlich schön zu begehen sind haben auch den Vorteil dass man meistens alleine auf ihnen unterwegs ist.

Ich freue mich auf meine nächste Reise. Leider habe ich momentan mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und hoffe dass ich bald wieder fit bin und mein Hobby nicht an den Nagel hängen muss. Wenn möglich soll es im Winter nach Spanien gehen, die Sierra de Cazorla hat mich heuer im Frühjahr derart fasziniert, dass ich gerne wieder nach Andalusien fahren würde.

 

 

 

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