Durchs grüne Herz Mitteleuropas | Nationalpark Sumava | Böhmer Wald | Tschechien

von Weg als Ziel

Meine Tour auf dem Burren Way in Irland liegt leider schon einige Zeit zurück. Deshalb war es an der Zeit ein neues Ziel für eine kurze Tour zu finden, welches idealerweise in kurzer Zeit per öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. Der Nationalpark Sumava im Böhmer Wald liegt an der Grenze zu Bayern und Österreich und war das ideale Ziel.

Springe zu den einzelnen Stationen meiner Reise:

Einleitung und allgemeine Informationen

Im Südwesten von Tschechien liegt der Böhmer Wald, auf bayrischer Seite schließt der Bayrische Wald an. Inmitten des Böhmer Waldes auf tschechischer Seite liegt der größte Nationalpark des Landes, der Nationalpark Sumava. Mit ein bisschen Glück kann man in dieser Region sogar auf Luchse und Elche stoßen. Inmitten dieses Nationalparks entspringt außerdem die Quelle der Moldau.
Klingt nach ausreichend Natur und Outdoor um sich ein bisschen auszutoben und ein paar Kilometer zurückzulegen. Das Beste ist allerdings, dass es in dieser Region offizielle Notübernachtungsplätze gibt, das heiß man kann sogar ganz offiziell sein Zelt an ausgewiesenen Stellen aufschlagen.
Auf der offiziellen Homepage sind Infos zu diesen Plätzen zu finden. Außerdem findet man hier auch Karten der genauen Positionen aller Notübernachtungsplätze.

Insgesamt gibt es 7 dieser Plätze. Alle sind gut ausgeschildert, wie auch der restliche Weg und auf allen gilt:
• Ort nur für eine Nacht nutzen
• Feuermachen verboten
• Sämtliche Abfälle mitnehmen
• Ruhe einhalten
• Ganzjahresbetrieb von 18.00 bis 9.00 Uhr

Zur Tourenplanung empfiehlt sich diese offizielle digitale Karte. Hier können Wege als erstellt werden und sogar die Längen/Profile und GPS Daten ausgelesen bzw. exportiert werden (die Seite ist allerdings auf Tschechisch, zur Tourenplanung links oben „Zmenit mapu“ auf „turisticka“ stellen, im rechten Menü „Planovani“ auswählen und den Fußgänger Track ähnlich wie in Google Maps anlegen, GPS Export erfolgt rechts unten „Exportovat“).

Als Back-Up habe ich mir die Wanderkarte Böhmerwald/Sumava 1 : 50 000 bestellt, welche sehr genau ist und mir vollkommen ausgereicht hat.

Es ist zu beachten, dass einige Wege im Nationalpark nicht zu allen Jahreszeiten geöffnet haben (Brutschutz, Erholung, etc.). Informationen hierzu finden sich ebenfalls auf der offiziellen Homepage bzw. sind diese auch in der Wanderkarte Böhmerwald/Sumava 1 : 50 000, vermerkt.

Anreise
Angereist bin ich per Bahn und Bus von Wien über Passau nach Bischofsreut in Bayern. Bis Passau verkehren sehr häufig die Züge der ÖBB. Ab Passau fährt der Bus Nummer 6122 vom Bahnhofsvorplatz bis Bischofsreut, Gemeinde (Informationen gibt der online Fahrplan der DB).

Route
Eigentlich wollte ich in Haidmühle in Bayern (einige km südlich von Bischofsreut) starten und zum 3-Ländereck (Deutschland, Tschechien, Österreich) am Dreisesselberg wandern um danach durchgehend auf tschechischer Seite Richtung Norden bis zum Bahnhof Bayerisch Eisenstein (Grenzbahnhof Deutschland – Tschechien) zu kommen. Um mir einige Höhenmeter und einen Umweg zu ersparen habe ich mich jedoch entschlossen ab Bischofsreut zu starten.

04.06.2015 – Fortschritt beginnt nicht zwangsläufig im Kopf

Strecke: Bischofsreut bis Notübernachungsplatz Modrava = 38 km

Streckenführung (Quelle: www.mapy.cz)

Meine Anreise nach Bischofsreut verläuft recht unspektakulär. Am Bahnhof von Passau muss ich ca. eine Stunde Zeit totschlagen um auf den Bus zu warten. Der Bahnhof Passau bleibt mir wohl lediglich aufgrund der hohen Dichte an seltsamen Individuen welche hier herumhängen in Erinnerung. Der Bus bringt mich pünktlich um 12:00 ins „Zentrum“ von Bischofsreut.
Kurz bevor ich aus dem Bus aussteige stelle ich fest was ich vergessen habe. Zelt dabei, Check. Schlafsack dabei, Check. Isomatte dabei, Check. Pass dabei, NICHT Check. „Na prima!“. EU hin oder her, ich habe vor eine grüne Grenze zu überqueren und diese auch noch rund 70 km entlang des ehemaligen Eisernen Vorhanges entlang zu wandern und habe keinen Lichtbildausweis dabei. Ich kann natürlich nichts mehr daran ändern und hoffe in keine Kontrolle zu geraten. Im ernst, wem passiert sowas schon?!

Der „Grenzfluss“:

Nach kurzem Spaziergang überquere ich die grüne Grenze zwischen Deutschland und Tschechien. Ich Überwinde die ersten Höhenmeter auf tschechischer Seite auf einem Forstweg.

Tschechien ich komme:

Nach rund 500 Metern mündet der Forstweg in einen asphaltierten Weg. Ich blicke auf weil ich ein Auto höre. Ich zucke zusammen und erkenne ein Polizeiauto, welches den asphaltierten Weg entlangfährt und direkt auf mich zuhält. „Das kann es jetzt nicht sein?! Keinen Kilometer in Tschechien und ich darf wahrscheinlich mit aufs Revier und bekomme meine „gerechte“ Strafe ab“. „Illegaler Waldschrattimmigrant gefasst“ … ich sehe schon die Überschriften in den Tageszeitungen.

Ich spiele das Unschuldslamm, starre in einen ausgedruckten Kartenausschnitt und hoffe dass ich nicht nach meinem Ausweis gefragt werde. Ich habe Glück und die Polizei verlangsamt zwar das Tempo um eine visuelle Kontrolle von mir durchzuführen, fährt aber weiter.
Die weitere Zeit verläuft weniger „spannend“. Ich habe ideales Wanderwetter. Der Weg ist zwar oft auch asphaltiert, aber die Landschaft ist herrlich und steht in voller Blüte. Ich begegne so gut wie anderen Menschen.

Bald erreiche ich den ersten Notübernachtungsplatz, Strazny. Ich bin begeistert. Netter markierter Platz um Zelte aufzustellen. Eine Bank mit Tisch sowie ein Toilettenhäuschen stehen zur Verfügung.

Notübernachtungsplatz Strazny, das Toilettenhäuschen im Hintergrund:


Ich habe allerdings geplant am heutigen Tag weiter bis zum Notübernachtungsplatz Bucina zu wandern. Viel zu früh erreiche ich diesen Platz. Das gute Wetter und die grandiose, abwechslungsreiche Landschaft verleiht mir Flügel und ich beschließe noch rund 13 km anzuhängen und bis nach Modrava zu wandern.
37 km und 8 Stunden wandern ohne Pause bedeuten, dass ich mich dann umso mehr freue als ich den Zeltplatz Modrava erblicke. Idyllischer Platz nahe an einem Fluss gelegen. Hier kann auch Wasser geschöpft werden. Ebenso steht wieder Tisch, Bank und nahes Toilettenhäuschen zur Verfügung.

Notübernachtungsplatz Modrava:

Im direkten Blickkontakt zu diesem Platz liegt ein Gasthaus, dessen Terrasse gut besucht ist. Das stört mich jedoch nicht weiter. Auch nicht die 2-3 neugierigen älteren Passanten, welche im Sonnenuntergang am nahen Wanderweg einen kleinen Spaziergang machen und dabei überrascht mein Zelt bestaunen.

Nach diesem echt tollen Wandertag lege ich mich in mein Zelt und schlafe ein.

Weitere Bilder vom Tag:

05.06.2015 – Auch ein toter Wald kann entzücken

Strecke: Notübernachungsplatz Modrava bis Bahnhof Bayerisch Eisenstein = 32 km

Streckenführung (Quelle: www.mapy.cz)

Die feuchte Wiese und der nahe Bach sowie der nicht vorhandene Wind bedeuten ein schön feuchtes Zelt am Morgen. Macht ja nichts, heißt es daheim mal wieder gut trocknen.

Feuchtes Zelt am Morgen:

Ich breche bereits vor 5 Uhr auf um die frühen Stunden zu genießen. Ich plane heute die restlichen 31 km bis zum Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein zurückzulegen.

Eigentlich wollte ich ja 2 Nächte im Nationalpark Sumava verbringen. Meine Fortschritte am ersten Tag lagen jedoch über der geplanten Strecke und so beschließe ich, dass dieser Trip ein schneller werden soll. Ich setze mir als Ziel zu Mittag am Bahnhof zu sein, so dass ich die gesamte Strecke von rund 70km in 24 Stunden bewältigt habe.

Die frühen Morgenstunden sind besonders idyllisch. Der Nebel liegt tief am nahen Flussufer, an dem ich entlang wandere. Bald stoße ich auf jene Wege, welche in dieser Saison noch geschlossen haben. Schranken und Tafeln signalisieren dies. Prinzipiell rate ich niemandem Regeln zu missachten und auch ich tue es nur sehr ungern. In diesem Fall habe ich jedoch beschlossen die geschlossenen Wege zu nehmen. Einerseits hätte eine alternative Route etliche km Umweg bedeutet und ich hätte mein Ziel des 24h Trecks nicht geschafft. Andererseits bin ich ein Meister der Outdoorethik „leave no trace“. Ich hinterlasse keine Spuren, bleibe auf den Wegen und bin als Solowanderer im Vergleich zu Gruppen auch besonders leise unterwegs.

Auf meinem weiteren Weg erlebe ich riesige Flächen abgestorbenen Waldes. Der Borkenkäfer hat hier in der Vergangenheit gewütet und ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Anstatt hier einzugreifen hat die Parkverwaltung beschlossen diese Teile sich selbst zu überlassen. Nicht jeder findet diese „toten“ Abschnitte besonders schön. Ich finde sie durchaus interessant und sehe auch die zugrundeliegende Ursache, ebenso wie z.B. Waldbrände, etc. als natürlichen Prozess und „Chance“ für Wald sich z.B. zu verjüngen.

Abgestorbener Wald wohin das Auge reicht:

Ich verpasse das Ziel der 24 h Marke knapp und erreiche gegen etwa 13:00 meinen Zielpunkt in Bayerisch Eisenstein. Die steigenden Temperaturen und die Sonne haben mein Laufpensum in den letzten Kilometern ein bisschen reduziert. Nichtsdestotrotz bin ich zufrieden. Nicht wegen meiner Leistung, sondern darüber, dass ich mich entschieden habe einen Ausflug in den Nationalpark Sumava zu machen.

Der Bus (Schienenersatzverkehr , ansonsten fahren hier auch Züge) bringt mich nach Plattling, hier steige ich in einen direkten Zug nach Wien ein.

Weitere Bilder vom Tag:

Fazit

Mein kurzer Ausflug in den Nationalpark Sumava hat mich positiv überrascht und meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Die Landschaft ist äußerst abwechslungsreich, teilweise noch sehr wild und naturbelassen und ich bin nur wenigen anderen Menschen begegnet.
Genial ist außerdem, dass es hier legale Zeltmöglichkeiten in Form der Notübernachtungsplätze gibt. Ebenso ist die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu bewerkstelligen.

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