Chemo-Nachschlag gefällig?

Erzählungen aus meiner ersten Konsolidierungstherapie

von Weg als Ziel

Die Komplikationen nach meiner Induktionstherapie verlängern meinen Aufenthalt zuhause um eine weitere Woche. Neben Weihnachten verbringe ich auch Silvester und Neujahr innerhalb der eigenen vier Wände.

Es verschiebt sich also der Beginn meiner Konsolidierungsphase. Im Endeffekt auch das sehnlich erwartete Ende der gesamten Chemotherapie. Trotzdem hat der verlängerte Aufenthalt in gewohnter Umgebung den positiven Nebeneffekt, dass ich mich allgemein besser fühle und einen Teil meiner Lebenskraft zurückerlange.

Erfreuliche Konsolidierungsphase

In einer besseren Allgemeinverfassung als zu Beginn meiner Induktionstherapie starte ich Anfang Jänner 2023 meine erste Konsolidierungstherapie. Mittlerweile hat sich eine gewisse Routine eingeschlichen. Ich habe ein Gefühl dafür was auf mich zukommt. Handgriffe, Abläufe und tägliche Routinen im Krankenhausalltag sind mir nun bekannt. Ohne große Erwartungshaltung starte ich in diese Phase. Der erste Zyklus hat mich Demut gelehrt. Mir ist bewusst das vieles geschehen kann. Aber ich fühle mich in guten Händen und gut betreut. Die letzten Wochen und Monate haben mir gezeigt, dass der menschliche Körper im Stande ist viele negative und unangenehme Dinge über sich ergehen lassen zu können. Die körpereigene Überlebensfunktion des Vergessens hilft dabei Schmerzen und unangenehme Erfahrungen der Vergangenheit auszublenden. Mit meinem ohnehin schlechten Gedächtnis bin ich vielleicht ein Meister des Vergessens. Das hilft mir dabei mit einer positiven Grundhaltung meinen stationären Aufenthalt anzutreten.

Meine Strategie der Erwartungslosigkeit scheint sich bezahlt zu machen. Etwas mehr als drei Wochen später neigt sich meine erste Konsolidierungstherapie dem Ende zu. Fieberschübe und gröbere Infektionen gab es diesmal erfreulicherweise keine. Andere größere Komplikationen sind diesmal ebenso ausgeblieben.

Besuch während der Konsolidierungsphase

Während der ersten Konsolidierungsphase

Von neuen und alten Freunden

Gibt es Chemos ganz ohne Komplikationen? Einige Kleinigkeiten gab es auch diesmal. Entzündete Augen vermiesten mir rund zwei Tage meines Aufenthalts. In der recht monotonen Isolation trägt die Sehkraft erheblich zur eigenen Unterhaltung bei. TV, Internet und Bücher schreien nach funktionierenden Augen. Mit Großteils geschlossenen Augenliedern entdecke ich zumindest für diese zwei Tage die klassische Musik für mich. Kopfhörer im Ohr, im Bett liegend versuche ich eine meiner vielen kulturellen Bildungslücken zu schließen. Beethoven, Liszt und Chopin begleiten mich dabei. Die antibiotischen Augentropfen beginnen zu wirken und ich verabschiede mich von meinen neuen, klavierspielenden Freunden. Es war ein interessantes Intermezzo aber von nun an bin ich wieder Sklave einfacherer Unterhaltung. Netflix, YouTube und Nintendo Switch greifen mich wieder mit all ihren Tentakeln der seichten Unterhaltung.

Auch diesmal wird mein ZVK (Zentraler Venen Katheter) frühzeitig entfernt. Die Eintrittsstelle an der Schulter entzündet sich leicht und ist gerötet. Nichts grobes, trotzdem werde ich wohl nie ein großer Freund von ZVKs werden.

Bewegungsdrang und alte Bekannte

Erfreut über den Erfolg dieser ersten Konsolidierungsphase verlasse ich das Krankenhaus. Ich freue mich auf einige wenige Tage mit meinen Liebsten. Auf ein paar leichte Kräftigungsübungen im eigenen Wohnzimmer und ein paar Spaziergänge an der frischen Luft. Meine physische Verfassung ist etwa drei Monate nach meiner Diagnose nicht mehr ansatzweise vergleichbar mit jener davor. Muskeln sind verschwunden, Stabilität ist Geschichte und Ausdauer ist zum Fremdwort geworden. Zumindest drei Tage erfreue ich mich an der Durchführung einiger Aktivitäten. Gummibänder dehnen und Beine im Freien ausschütteln. Herrlich. Dann sucht mich sprichwörtlich der Geist der vergangenen Weihnacht heim. Ein mehr als schmerzhafter Abszess entwickelt sich ganz plötzlich und unerwartet. Damit es spannend bleibt diesmal an einer anderen Stelle als letztens. An einem dunklen und von vielen Nerven durchzogenen Ort nistet er sich ein. Im Vorhof zur Hölle macht er es sich bequem. Er nennt sich selbst Perianalabszess, mein neuer Bekannter. Gekommen um zu bleiben sei er. Er hat die Rechnung ohne mich gemacht. Zwei Tage später hat ihn ein Skalpell ambulant in zwei Hälften gespalten. Was bleibt ist eine vage Erinnerung an einen größenwahnsinnigen Pickel und eine Wunde. Ich setze auf die Kunst des Vergessens und blicke nach Vorne.

Spaziergang und frische Luft

Ein Moment an der frischen Luft.

Kannst du helfen?

Wenn du selbst etwas Gutes tun willst, dann kannst du gerne an eine der diversen Krebsorganisationen spenden. Der Verein  Geben für Leben hat sich z.B. der lebensrettenden Stammzellenspende für Krebspatienten mit Leukämie verschrieben. Dieser Verein führt u.a. Typisierungen für Stammzellenspender_innen durch. Dort kannst auch du dich registrieren und vielleicht Lebensretter_in werden.  Die  Österreichische Krebshilfe ist eine zentrale Anlaufstelle generell zum Thema Krebs.

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1 Kommentare

Steynberg 3. Feber 2023 - 16:08

Gerade erst über deine DIagnose zufällig im ultalleichtforum erfahren. Hatte 2021 deine Touren über den Nordalpenweg und den Start auf dem Grünen Weg mitverfolgt und auch deine Gearvideos auf youtube gesehen. Wünsche dir alles gute und das du bald wieder auf den Trail zurückkommst.Hike on!

Antwort

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