Diagnose Leukämie – Der Beginn eines langen Weges

von Weg als Ziel

Im November 2022 zieht es mir den sonst so soliden Boden unter den Füßen weg. Bei mir wird Leukämie diagnostiziert. Ganz plötzlich liegt mein bisher längster und schwierigster Weg vor mir. Ich bin lange am Überlegen ob ich überhaupt darüber schreiben soll. Gehört auf einen Blog wie diesen, der das Leben, die Freiheit und das Abenteuer zelebriert, eine Geschichte wie diese?

Ich entscheide mich dafür, denn das Wort Weg definiert sich für mich nicht durch eine Distanz im Sinne von Weitwandern und Traillauf. Das Ziel meines aktuellen Weges ist es ebenjene Freiheit und insbesondere das Leben wieder zu erhalten. In der Hoffnung, dass am Ende dieses Ziel nur ein Meilenstein auf meinem weiteren Weg geworden ist. Meinen vor mir liegenden Weg messe ich jedenfalls nicht in Kilometern. Vielleicht können meine Erfahrungen, die ich machen werde auch anderen Personen in ähnlichen Situationen helfen.

Die Ruhe vor dem Sturm

Im Sommer 2022 bin ich mehrere Wochen in den USA. Ich wandere den Colorado Trail sowie Teile des Pacific Crest Trail in Kalifornien. Nach meiner Rückkehr nach Österreich setze ich nahtlos mit meinem Traillauftraining fort. Auf die vielleicht besten sechs Trainingswochen meines Lebens folgt am 1. Oktober die Teilnahme beim Black Forest Trailrun Masters über knapp 60 km Distanz. Zum ersten Mal in meinem Leben stehe ich bei einer Laufveranstaltung auf dem Podest. In meiner Altersklasse belege ich das obere Treppchen. Bei den Männern werde ich gesamt Fünfter. Zugegeben, das Teilnehmerfeld ist nicht besonders groß. Dennoch werte ich meine Leistung als Erfolg und bin sogar etwas stolz auf mich. Ich beginne die ersten Trainingsplanungen für das kommende Jahr. Alles scheint wie am Schnürchen zu laufen.

Aus allen Wolken

Kurze Zeit später leide ich jedoch unter einem hartnäckigen Infekt der von den Atemwegen ausgeht. Ich führe diesen auf die Belastung des Laufevents zurück. Die 60 km im Schwarzwald bei rund 5 Grad Celsius, Dauerregen und 80 km/h Windböen waren für meinen Körper eine intensive Herausforderung. Da der Infekt länger anhält als sonst bei mir üblich, sowie mit den Erinnerungen an meine Atemwegsprobleme auf dem Colorado Trail im Hinterkopf, beschließe ich einen Arzt aufzusuchen.

Mein Hausarzt nimmt unter anderem meine Blutwerte. Die Blutwerte sind schlecht. Sehr unüblich für mich. Der Arzt verschreibt mir Antibiotika. Nach Abklingen der Infektion wünscht mein Hausarzt eine weitere Abklärung sowie eine weitere Blutabnahme. Die Blutwerte haben sich nicht verbessert, der Arzt besteht darauf in 10 Tagen erneut meine Werte zu kontrollieren. In dieser Zeit bin ich extrem kraftlos und mein minimales Lauftraining gestaltet sich äußerst mühsam, ich bin ständig müde und abgeschlagen. Nach diesen zehn Tagen sind meine Blutwerte sogar noch weiter abgefallen. Mein Hausarzt realisiert den Ernst der Lage und vereinbart einen Termin in der Hämatologie im Krankenhaus. Dort bestätigt sich nach einer weiteren Blutabnahme sowie einer Knochenmarkpunktion leider das Unausweichliche. Die Diagnose lautet Leukämie. Bei mir wird die Variante der akuten myeloischen Leukämie (AML) festgestellt. Glücklicherweise in der günstigen Mutation. Unerkannt und unbehandelt führt diese Art der Leukämie im Normalfall innerhalb weniger Monate zum Tod. Die Therapie sieht eine mehrmonatige Chemotherapie in mehreren Zyklen vor. Ich werde sofort im Krankenhaus in Isolation stationär aufgenommen. Mein Immunsystem ist bereits so stark geschwächt, dass der kleinste Keim zu einem gefährlichen Infekt führen kann. Es soll daher sofort mit meiner Therapie begonnen werden. So beginnt mein bisher steinigster und vermutlich herausforderndste Weg meines bisherigen Lebens.

Kannst du helfen?

Wenn du selbst etwas Gutes tun willst, dann kannst du gerne an eine der diversen Krebsorganisationen spenden. Der Verein  Geben für Leben hat sich z.B. der lebensrettenden Stammzellenspende für Krebspatienten mit Leukämie verschrieben. Die  Österreichische Krebshilfe ist eine zentrale Anlaufstelle generell zum Thema Krebs.

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8 Kommentare

Jan 8. Dezember 2022 - 16:38

Hi Dominik,

ich hatte mich die letzten Tage schon gefragt, warum ich von dir nichts mehr bei Strava sehe, und bin dann mal auf dein Profil gegangen …
Von deiner Diagnose zu lesen, war schon ein kleiner Schock für mich, auch wenn wir uns nur virtuell kennen.
Deine Herangehensweise an die Krankheit klingt auf jeden Fall sehr stark! Ich hoffe, du kannst dir diese mentale Stärke bewahren, auch wenn es, wie bei jedem langen Weg, mal schlechtere Phasen gibt.

Beste Grüße

Jan

Antwort
Weg als Ziel 8. Dezember 2022 - 19:15

Hi Jan,

freut mich von dir zu lesen. Ja, zu Beginn war es auch für mich ein Schock. Damit hätte ich niemals gerechnet. Aber es kommt wie es kommt und damit muss man dann umgehen. Ich habe das Glück eine „günstige“ Mutation der AML zu haben und bin guter Dinge, dass meine Chemotherapie gut anschlagen wird. Ich bin in der glücklichen Situation die letzten Jahre viele Erfahrungen gemacht zu haben. Ich glaube gerade die Erfahrungen aus dem Weitwandern und dem Ultralaufen helfen mir auch bei der Krankheit. Ausdauer, körperliche und mentale Stärke, mit sich alleine sein können, etc. sind alles Faktoren die nur positiv helfen können. Aber es schmerzt auch zu sehen wie ein körperlicher Zustand der nun jahrelang aufgebaut wurde in wenigen Wochen komplett verloren geht. Aber ich vermisse das Laufen und Wandern derzeit auch gar nicht. Der Fokus liegt auf der Genesung. Dann kommt das Danach.

Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute und eine gute Wintersaison!

Beste Grüße
Dominik

Antwort
Tobias Schneider 20. Dezember 2022 - 18:01

Wow, Dominik… Erst durch deinen Email-Newsletter habe ich von deiner Erkrankung erfahren… Hatte mich schon gewundert, wieso man nichts mehr von dir hört…
Es tut mir unfassbar leid, zu erfahren, auf was für Herausforderungen dich das Leben schickt. Wie du auch selber schreibst, bin ich aber fest davon überzeugt, dass du den langen und steinigen Weg zur Genesung schaffen und all dein durch den Sport Gelerntes erfolgreich anwenden wirst. Das richtige Mindset ist bei solchen Leidenswegen extrem wichtig! Du wirst das gut durchstehen und deinen Optimismus nicht verlieren, da bin ich mir sicher!
Ich hoffe aufrichtig, dass es dir schnell und bald wieder besser geht und es dir gelingt, den Ist-Zustand zu akzeptieren, um dich ganz auf die Heilung fokussieren zu können. Der Körper ist nicht dumm und passt sich schnell an seine Umgebung an – alle Faktoren auf Genesung fokussiert und schon kann einer Besserung nichts mehr im Wege stehen. Das gleiche gilt dann auch für die Zeit danach und du wirst staunen, wie schnell der Körper wieder zu alter Stärke findet.
Lass mich bitte wissen, wenn man dich irgendwie unterstützen kann!
Bis dahin freue ich mich darauf, dir in Zukunft wieder auf dem Trail begegnen zu können, und wünsche alles Gute!!
LG Tobi

Antwort
Weg als Ziel 21. Dezember 2022 - 14:38

Hallo Tobi, freut mich von dir zu lesen! Danke für deine aufmunternden Worte. Mein Jahr 2023 wird wohl nicht so laufen wie ich es geplant habe. Gerne wäre ich wieder ein bisschen in Frankreich gewandert, einen ersten 100k+ Laufevent hätte ich mir auch mal als Ziel gesteckt bzw. eine 24h Tour mit „so weit wie möglich“ als Hintergedanke. Aber so habe ich andere Ziele und bin auf einem anderen, unerwarteten Weg unterwegs. Es ist aber interessant wie schnell man sich damit zurechtfinden kann und wie schnell man neue Aufgaben annimmt. Heuer ist es also an dir die Fahnen des Weitwanderns und des Traillaufens hochzuhalten! Ich bin gespannt von dir zu hören, sehen oder lesen! Genieße die Zeit und all das Spannende & Schöne was 2023 auf dich zukommt! Liebe Grüße, Dominik

Antwort
Heike 23. Dezember 2022 - 10:21

Dominik, ich drücke Dir alle meine Daumen für den kommenden Weg. Und ich wünsche Dir viel Glück und Erfolg mit Deiner Therapie. Du schaffst das. Bestimmt.
Herzliche Grüße
Heike
(hiker aus dem UL Forum)

Antwort
Weg als Ziel 23. Dezember 2022 - 16:29

Hallo Heike, vielen Dank für deine Worte! Es freut mich, dass die UL-Szene mich so unterstützt. Aber das kennt man ja von den langen Wegen, eine große UL-Familie. Mach’s gut und schöne Weihnachten, Dominik

Antwort
Christine Thürmer 23. Dezember 2022 - 16:50

Alles Gute, schnelle Besserung und ein besseres 2023 wünsche ich Dir! Christine Thürmer

Antwort
Weg als Ziel 24. Dezember 2022 - 15:18

Hallo Christine, danke. Freut mich von dem deutschen „Weitwanderaushängeschild“ schlechthin eine Nachricht zu erhalten. Da kann es nur bergauf gehen 😀
Ich wünsche dir für 2023 wieder viele tolle Touren und weiterhin viel Erfolg. Bin gespannt was deine Zukunft bringt, auch hinsichtlich neuer Lektüre usw.
Schöne Grüße, Dominik

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