Vor der Chemotherapie und der Horror der ersten Nacht

von Weg als Ziel

Die Diagnose Leukämie (AML) ist mir also nun bekannt. Bevor mit meiner Chemotherapie begonnen werden kann müssen genauere Befunde aus der Knochenmarkpunktion abgewartet werden. Die Ergebnisse entscheiden über die genaue Therapieform. Bis dahin gilt es also noch einige Tage durchzuhalten.

Die ersten Untersuchungen

Während der Zeit des Wartens auf die Befunde wird damit begonnen einige Voruntersuchungen an mir durchzuführen. In einem stressigen hin und her wird unter anderem noch am ersten Tag ein CT meines Schädel- und Brustbereichs veranlasst. Mein Herz wird mittels Ultraschall untersucht.

Nach diesem Untersuchungsmarathon beziehe ich wieder mein vorübergehendes Isolationszimmer. An Tag zwei sollte ich in die tatsächliche Isolation verlegt werden. Diese Isolation ist ein spezielles Überdruckzimmer inklusive Schleuse als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme. Oberstes Ziel ist es sämtliche Keime, Viren, Pilze und Bakterien von mir fernzuhalten.

1. Nacht vor der Chemo

1. Nacht – Noch ist alles in Ordnung

Der Horror der ersten Nacht

Doch bevor ich an Tag zwei verlegt werde, durchlebe ich noch in Nacht eins ein kleines Horrorszenario. Auf meinem nächtlichen Gang zur Toilette überkommt mich ein starkes Schwindelgefühl. Mir wird weiß vor Augen. Ich setze mich kurz auf den Toilettensitz um mich zu erholen. Ich überlege ob ich die Nottaste betätigen soll. Ich bin ein selbstständiger Mensch. Bisher hat mich noch keine Schwindelattacke tatsächlich auf den Boden befördert. Ich beschließe nur für den Fall den roten Knopf zu drücken. Ich starte den Weg Richtung Bett trotzdem alleine. Unter Schwindel öffne ich die Badezimmertüre. Ich erinnere mich daran langsam und halbwegs kontrolliert Richtung Boden zu kollabieren. Dann sind meine Lichter aus. Ich bin vollkommen weggetreten. Als ich wieder zu mir komme bemühen sich Pflegerinnen und eine Ärztin darum mich ins Bett zu hieven.

Ich zittere am ganzen Körper. Sofort wird mit Untersuchungen begonnen. Es wird Blut abgenommen. Ich werde an ein EKG-Gerät gehängt. Meine Sauerstoffsättigung wird gemessen. Meine Erinnerung mag an dieser Stelle lückenhaft sein. Kurz darauf heißt es ich muss erneut zum Schädel-CT. Mit meinen schlechten Blutwerten neige ich bereits zum Bluten. Es muss ausgeschlossen werden, dass ich mich beim Aufprall im Kopfbereich verletzt habe oder es gar zu inneren Blutungen gekommen ist. Die erste Blutanalyse zeigt auch einen erhöhten Marker (Troponin T) der bei Herzinfarkten zu erkennen ist.

Mitten in der Nacht wird also mein Schädel zum Zweiten mal an diesem Tag in die CT-Röhre geschoben. Anschließend werde ich in die Kardiologie verfrachtet. Zur weiteren Beobachtung. Ich werde erneut an ein EKG-Gerät angeschlossen. Aufgrund meines, von meinem intensiven Ausdauertraining herrührenden, niedrigen Ruhepulses von etwa 40 Schlägen pro Minute ertönt im Minutenrhythmus ein Alarmsignal des EKG-Geräts. An Schlaf ist nicht zu denken. Jede Minute versuche ich den Puls vom Gerät abzulesen. 36 Schläge, 35 Schläge als tiefster Wert den ich erkennen kann. Bitte liebes Herz gib nicht auf, schlag weiter. Ich liege unruhig und besorgt im Bett. Kann das wirklich sein? Sterbe ich heute Nacht? Ich bin zutiefst beunruhigt. Wie kam es soweit? Wie kann das so schnell gehen? Was sind die Ursachen?

In regelmäßigen Abständen wird Blut genommen und insbesondere der Wert des Troponin T analysiert. Mir wird erklärt, dass Troponin T auf abgestorbenes Herzmuskelgewebe hindeutet. Bei einem Herzinfarkt passiert genau dies, Gewebe stirbt ab und der Wert des Troponin T steigt über die Zeit an. Allerdings können scheinbar aber auch insbesondere Sportler erhöhte Werte von Troponin T aufweisen. Das Herz als Muskel wächst durch intensiven Sport und dabei stirbt eben auch Gewebe ab. Das scheint in meinem Fall die Ursache zu sein. Jedenfalls gibt es irgendwann Entwarnung. Ich darf zurück in mein Zimmer. Mir fällt ein gigantischer Stein vom Herzen.

Die letzten Handgriffe

Im Laufe der nächsten Tage wird ambulant ein Zentraler Venen Katheter (ZVK) gelegt. Die Armvenen sind zu schwach für die intravenöse Gabe der aggressiven Chemo-Mittel. In meinem Fall wird der ZVK im Schulterbereich gestochen. Die Hauptleitung verläuft dann in einer Hohlvene unterhalb des Schlüsselbeins direkt in den Bereich der Herzvorkammer. Abschließend wird vernäht und mit transparentem Gelpflaster abgeklebt. Nun habe ich also drei kleine Schläuche (sogenannte Lumen) aus meiner Schulter ragen. Über diese Schläuche kann nun die dosierte Chemogabe erfolgen. Ich warte also angespannt und nervös auf den Beginn meiner Therapie.

Kannst du helfen?

Wenn du selbst etwas Gutes tun willst, dann kannst du gerne an eine der diversen Krebsorganisationen spenden. Der Verein  Geben für Leben hat sich z.B. der lebensrettenden Stammzellenspende für Krebspatienten mit Leukämie verschrieben. Die  Österreichische Krebshilfe ist eine zentrale Anlaufstelle generell zum Thema Krebs.

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